Sonntagsgedanken zu Sonntag, 9. September 2018

 

Dankbar - entspannt

Die Ferienzeit ist zu Ende. Nach Urlaub - entspannen, Anderes erleben - heißt es wieder: den Alltag anpacken! Frisst er bald schon auf, was der Urlaub Gutes gebracht hat?

Ein hilfreiches Gegenmittel: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2 – Bibelwort für die zu Ende gehende Woche) Nicht vergessen: das Gute, Schöne, Wohltuende; es im Herzen bewahren, sich immer wieder erinnern. Es erkennen als ein Geschenk Gottes; ihm danken, ihn loben dafür. Ein weiteres Zeichen, wie er es gut mit mir meint. Nach manch Gutem schon in meinem Leben: auch seine Hilfe in Schwierigkeiten, seine Bewahrung in Gefahren, Trost in traurigen Zeiten, neue Zuversicht.

Deshalb: dankbar zurückschauen, nicht vergessen! Und: mit Vertrauen auf IHN dann vorausschauen auf das, was kommt; was auf mich zukommen wird.

Der Alltag wieder – auch mit Problemen, die ich lösen muss; mit Schwerem, das ich bewältigen oder ertragen muss; mit Sorgen, wie es denn weitergehen soll; mit Angst, ob ich das alles schaffen kann.

Mich davon nicht negativ bestimmen lassen, nicht lähmen und die Freude nehmen lassen. Denn: ER geht mit, leitet und begleitet mich. ER versorgt mich mit dem, was ich brauche – auch mit Kraft, körperlich und seelisch.

 „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1.Petrus 5,7 - Bibelwort für die kommende Woche) An IHN mich wenden; IHN um Hilfe bitten; IHM überlassen, was mir zu schwer wird; bei IHM mein Herz ausschütten. Und dabei: aufatmen, mich entspannen, SEINE Kraft in mich einströmen lassen. Und so: auch im Alltag „dankbar – entspannt“!

Hans Gerstetter, Pfarrer am Krankenhaus Schorndorf

 

 

Sonntagsgedanken zu Sonntag, 19. August 2018


Mega

 „Es war die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten." So der FIFA-Präsident Infantino. Trump puscht jedes kleine Scharmützel zu einem Megadeal hoch. Nicht nur in der Politik haben die Superlative Hochkonjunktur. Auch in der Alltagssprache.      Das Wochenende war   mega chillig. Eine anständige Leistung wird zur Topleistung auf Championsleague- Niveau.   

Warum dieser Dauerbeschuss mit Superlativen?  Geht es nicht etwas nüchterner und bescheidener?  Es gibt wohl einen gewaltigen    Drang, Perfektion und grelle Intensität in unseren Alltag zu bringen.  Und es wächst ein merkwürdiges Leiden, das durch überhöhte Erwartungen und eine irre Steigerungslogik entsteht.  Der Urlaub soll traumhaft sein. Mein Körper fit.  Ich soll   im Beruf top sein, ein perfekter Liebhaber und der tollste Vater. Solche Erwartungen führen zum Scheitern. Wer nur Superlative erträgt, gerät in Panik, wenn etwas nur halb gelingt.

Der Urlaub könnte dazu da sein, etwas Pause von den permanenten Superlativen zu machen.  Mal ein bisschen weniger, ruhiger, einfacher. - Für mich wurde das zu einem befreienden Satz (von F. Steffensky habe ich ihn gelernt):  Das meiste gelingt mir halb.   Ich bin nur ein halb guter Pfarrer, ein halb guter Ehemann, ein halb guter Vater… Und das ist doch schon viel!  Mein Leben ist endlich und begrenzt     -  Das    annehmen zu können, verstehe ich als Gnade.  Wer an Gott glaubt, braucht   nicht Gott zu sein und Gott zu spielen, muss sich nicht immer mega fühlen.   Gegen die Angst, nicht   den Superlativen zu entsprechen, hilft das Vertrauen, dass Gott das Halbe und das Zerbrochene   ansieht und sich dem   Unfertigen zuneigt und sich da selber einbringt. Paulus hat es so erfahren: Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2.Kor. 12,8). Da gedeiht das Leben, wo meine Halbheit von der Kraft des großen Gottes durchdrungen wird.  Ich bin nicht gezwungen, immer alles zu sein.   Das macht es mir möglich, schon jetzt -  z.B. auch im Urlaub -  die Güte des Lebens zu sehen und zu genießen, das Halbe, Kleine und Mittelprächtige nicht zu verachten.
 

Klaus Dieterle, Evang. Kirchengemeinde Urbach

 

 

Sonntagsgedanken zu Sonntag, 29. Juli 2018

 

Das Kreuz mit der Religion

Die Sommerferien haben begonnen, alle Schulen und viele Betriebe machen Pause vom Alltag. Zeit, um in Ruhe manches entspannter anzuschauen und vielleicht aus der Distanz auch einen neuen Blick zu wagen?!

So auch auf das Thema Religion, das verstärkt in den Fokus gerückt ist seit in Bayern den Kreuzen eine staatstragende Rolle zugebilligt wird und die so öffentlichkeitswirksam zum Symbol von „Heimatverbundenheit“ und „kultureller Identität“ wurden. Verliert das Kreuz aber damit nicht seine eigentliche, religiöse Bedeutung und wird zur Ausgrenzung Andersdenkender?

Nicht wenige sahen sich durch diese Auseinandersetzung in ihrer Meinung bestätigt, dass Religion doch bitteschön Privatsache sein soll, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hat - schon gar nicht in der Schule.

Zu erinnern ist daher an den ersten Artikel des Schulgesetzes, das der Religion eine besondere Bedeutung auch und gerade in der Schule zumisst, wenn es dort heißt: „die Schule (ist) gehalten, die Schüler in Verantwortung vor Gott, im Geiste christlicher Nächstenliebe, zu Menschlichkeit und Friedensliebe, … zur Achtung der Würde und der Überzeugung anderer (…) zu erziehen.“

Es wird deutlich: Religion soll gerade nicht aus der Schul- und Lebenswirklichkeit ausgeklammert werden, im Gegenteil, sie ist Teil des allgemeinen Bildungsauftrages an den staatlichen Schulen. Die Schulbildung als solche, aber insbesondere der Religionsunterricht, ist Erziehung zur christlichen Nächstenliebe, zur Achtung der Würde und Überzeugung anderer!

Das Kreuz ist das Zeichen der christlichen Religion schlechthin. Es eignet sich daher gerade nicht für Ausgrenzung Andersdenkender, sondern steht in seinem eigentlichen Sinne für Respekt und Toleranz. Es erinnert an den, der die Nächstenliebe nicht nur gepredigt, sondern so konsequent gelebt hat, dass er dafür sogar am Kreuz gestorben ist!

Schuldekan Martin Hinderer, Schorndorf