Sonntagsgedanken zum 22. März 2020

Gottesdienste sind abgesagt, Gemeindehäuser geschlossen, Altenheime sollen auf Besucher verzichten, direkte Kontakte sollen vermieden werden. So stellt sich die Situation heute an diesem Samstag für mich dar. Das Unvorstellbare ist Wirklichkeit geworden.

 

Ich habe immer gerne Besuche in der Gemeinde gemacht, der direkte Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Was aber jetzt? Vereinsamen die Einsamen nun noch mehr? Wird unsere Lage immer trostloser?

 

Solche Situationen wie die, in der wir gerade sind, gab es immer mal wieder in der Weltgeschichte. Und deshalb ist es gut, dass wir uns auf das besinnen, was noch möglich ist miteinander und untereinander.

 

Zum Beispiel höre ich von Vielen, dass man wieder mehr zum Telefonhörer greift und andere anruft. Auch, dass Gespräche etwas länger dauern als sonst in der Hektik des Alltags mit den vielen Terminen. Manche haben wieder ihr altes Adressbuch oder das private Telefonverzeichnis herausgeholt und sind die Namen durchgegangen, wer vielleicht gerade allein zu Hause sitzt, nicht mehr rauskommt und sich deshalb über ein Lebenszeichen freuen würde.

 

Wir Christen wissen, dass Gott gerade in den dunkelsten Stunden bei uns ist und uns nicht alleine lässt. Deshalb können wir aneinander denken und füreinander beten.

 

Vielleicht können wir alte längst vergessene Kontakte wiederbeleben in dieser Zeit, in der wir auf die Wohnung oder das Zuhause beschränkt sind in unseren Aktivitäten. Vielleicht kann man wieder einmal einen Brief schrieben.

 

Ich selbst feiere ab nächster Woche jeden zweiten Freitag um 18 Uhr einen kleinen Gottesdienst in der Pfahlbronner Friedenskirche, mein Kollege macht dasselbe in der Stephanuskirche an den anderen Freitagen. Das ist zwar ungewohnt so ganz alleine, aber ich weiß, dass viele zur gleichen Zeit auch beten und vielleicht das Kirchenlied singen, das ich dann singen werde. Und ich bete für alle, die mir ihre Anliegen zukommen lassen. Das Fürbittgebet bekommt in diesen Zeiten wieder eine ganz neue, wichtige Bedeutung.

 

Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man nicht allein ist, selbst wenn man isoliert in der Wohnung bleiben muss. Dass andere an einen denken und für einen beten, auch wenn man es nicht direkt hört.

 

Christen stehen füreinander im Gebet ein. Das war seit Beginn des Christentums so. Manchmal für den direkten Nachbarn oder die Nachbarin, für die Kinder oder die Enkel, für Freundinnen und Freunde. Oft beten und bitten Menschen auch über weite Distanzen, über Kontinente hinweg, füreinander. Dass sie behütet und bewahrt bleiben auch in schwierigen Zeiten.

 

Das wünsche ich Ihnen für dieses Wochenende, dass Sie wissen, dass Sie nicht alleine sind, sondern dass viele Menschen an Sie denken, für Sie beten, und dass unser Gott Sie ganz gewiss nicht vergessen hat.

 

Pfarrerin Barbara Rieth, Alfdorf-Pfahlbronn