Sonntagsgedanken zum 4. Oktober

Kultur des Lebens

In der Schöpfungsgeschichte wird erzählt, wie Gott die Welt dem Chaos entreißt und ihr Kultur gibt.

Der Mensch bekommt Anteil am Kultivieren der Welt, am Gestalten und Bewahren.

 

Kultur heißt ja, dass etwas durch Menschen eine Form bekommt.

Natur wird zu einem Garten, Noten zu einer Symphonie, Farben zu einem Gemälde, ein Tisch zu einem Erntedankaltar. Etwas gewinnt Gestalt und drückt Schönheit aus. Etwas entsteht zur Anregung des Menschen, zur Freude, zur Nachdenklichkeit….  

Kultur gehört zum gottgeschenkten Menschsein, ist somit „menschheitsrelevant“ und braucht auch eine angemessene Finanzierung. Letztlich lebt ja der ganze Staat von den „Subventionen“ seiner Bürgerinnen und Bürger.

 

Auch bei Jesus sehen wir eine besondere „Kultur“, eine Kultur des Lebens. Eine Redekultur, die ermutigt, würdigt, aufbaut und herausfordert. Ein Streitkultur, die einlädt, mit zu denken, mit zu handeln und nicht billiger Polemik und Propaganda das Feld zu überlassen. Eine Kultur der Barmherzigkeit und des Versöhnens. Auch eine Kultur der Freiheit des Dienens. Menschen erleben bei Jesus einen Gott, der sie reizt zur Nachfolge und zu einer Kultur der Mitmenschlichkeit.

Und das steht und stände uns als sogenannter „Kulturnation“ gut an.

 

Pfarrer Jochen Kettling, Evangelische Kirchengemeinde Geradstetten

 

          

 

Sonntagsgedanken zum 6. September 2020

Ein Regentag mit Madita

An einem Regentag in den Sommerferien habe ich mit meiner Familie den Film „Madita“ angeschaut, nach den Erzählungen von Astrid Lindgren. Ein guter Freud hatte ihn mir gegenüber vor Kurzem als „subversiv“ beschrieben – das hatte mich neugierig gemacht. Die siebenjährige Madita stammt – anders als viele andere Hauptfiguren Lindgrens – aus einer wohlhabenden Bürgerfamilie und möchte eigentlich ein braves und artiges Mädchen sein. Das gelingt ihr aber nicht immer: Dafür gibt es viel zu viel Spannendes zu erleben – und leider auch viel zu viel Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Und weil Madita vor allem auch sehr empfindsam und mitfühlend ist, kann sie das Leid um sich herum auch nicht einfach ausblenden. Sondern sie macht genau das, worüber ihr Vater in der Zeitung immer wieder schreibt: Sie ist solidarisch mit den Armen und Schwachen, sprengt dabei bürgerliche Konventionen und ist bereit, selbst auf manches zu verzichten.

Und genau darin kann Madita uns ein Beispiel sein: Erst einmal wahrzunehmen, wieviel Gutes es in unserem Leben gibt; was wir haben und was uns geschenkt wurde. Und dann aber auch die Not unserer Mitmenschen zu sehen und für Gerechtigkeit einzutreten. Zu helfen und zu teilen – einfach, weil es das Naheliegende ist; und weil wir es können. Auch wenn es unsere Sicherheiten vielleicht in Frage stellt. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) – dazu ruft uns auch Jesus immer wieder auf. Und hat selbst immer wieder die Konventionen seiner Zeit durchbrochen, war also alles andere als brav.

»Mama, was wünschst du dir am allerallermeisten von allem?« »Zwei ganz brave und liebe Mädchen«, sagt Mama. Da werden Maditas Augen ganz blank und ihre Stimme zittert ein wenig. »Und wo sollen Lisabet und ich dann hin?«

 

Pfr. Steffen Kläger-Lißmann, Ev. Stadtkirchengemeinde Schorndorf

 

 

Trinitatis – Gott in Gemeinschaft

Menschen, die gefragt werden, wonach sie sich am meisten sehnen nach den Wochen des Corona-Lockdowns, antworten meist:  endlich wieder zusammen sein mit anderen. Ohne Zoom oder Skype, sondern ganz direkt. Endlich wieder – echte – Gemeinschaft.

 

Wenn man mit einem einzigen Wort zusammenfassen sollte, was Gottes Absicht ist, welches Ziel er verfolgte mit der Schöpfung des Universums und der Menschen, die es bevölkern, dann wäre es genau dies: ‚Gemeinschaft’. Er selbst ist nicht der einsame, unerreichbare Solist, sondern er lebt selbst in Beziehung als dreieiniger Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

Die Trinität, die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist darum keine theologische Spinnerei und Nebensächlichkeit. Sie ist elementar für das Verständnis von Gott. Denn Gottes Wesen ist Beziehung.

 

Und Gott erschuf uns Menschen nicht, weil er einsam oder gelangweilt war. Er schuf menschliche Wesen, weil er die Gemeinschaft so sehr liebte, dass er eine Welt voller Menschen wollte, mit denen er diese Gemeinschaft teilen konnte.

 

Die Erzählungen der Bibel sind Geschichten

Wir sind auf Gott hin bezogen, leben und ruhen in der Gemeinschaft mit Gott. Und wir sind als Menschen aufeinander hin geschaffen worden. Erst in der Gemeinschaft finden wir unsere wahre Bestimmung.