Miserikordias Domini – Barmherzigkeit des Herrn.

 

Das ist der Name des zweiten Sonntags nach dem Osterfest. Man nennt ihn auch den Sonntag des guten Hirten. Das erinnert an den bekannten Psalm 23! Er beginnt mit den Worten: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Es ist ein Lied des Vertrauens, ein Gebet, das in seinen Worten davon spricht, dass Gott immer an unserer Seite bleibt. Immer? Es sind bemerkenswerte, sehr zuversichtliche Worte in diesem Gebet zu finden: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“ Finsteres Tal. Im Tal der Todesschatten – das trifft den Sinn der ursprünglichen Worte noch besser. Das sind die Momente im Leben, in denen uns sehr leicht alle Hoffnung abhanden kommt, die Luft wegbleibt, kein Ausweg sich auftun will. Da wollen uns diese Worte neuen Mut ins Herz legen, in uns neues Vertrauen wecken. Gemeint ist dies: Egal, was passiert, ja selbst, wenn das Leben in seiner Existenz bedroht wird, verheißt uns dieses Gebet das Leben. Diese Worte wollen uns gerade jetzt daran erinnern, wenn wir dabei sind, das zu vergessen, weil das Leben uns so sehr zu schaffen macht. Gottes Nähe und Hilfe bleiben. Auch in diesen Wochen, da das Leben so sehr der Gefahr ausgeliefert ist, und alle Gewohnheiten und Sicherheiten unterbrochen sind.

 

Und dann hält der Psalm für uns auch einen Ausblick in die Zukunft bereit. Der Beter ist sich sicher: Das Leben wird siegen. „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ Einmal werden wir für immer bei Gott sein – und bei ihm leben. Da leuchtet die Botschaft des Ostermorgens auf. Das Leben wird sich Bahn brechen. Ich will mich daran immer wieder erinnern lassen. Deshalb: Rezept für schwere Tage. Ich nehme mir vor: Zweimal täglich Psalm 23. Morgens und abends, will ich mir diese Hoffnung in Erinnerung rufen.

 

Bleiben Sie behütet an Leib und Seele!

 

Ihr Pfarrer Christof Haß, Haubersbronn

 

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 12. April 2020 Ostern

Ostern - wird nicht abgesagt!

 

So vieles muss in diesen Tagen abgesagt werden: Termine, Reisen, Besuche …

Auch das Familientreffen an Ostern muss dieses Jahr abgesagt werden – sogar die Osternachtsfeier und alle Gottesdienste über Ostern. Alles ist der Gefahr der Ansteckung mit dem Virus geschuldet, von dem keiner weiß, ob er es nicht längst schon in sich trägt.

 

Auch wenn die Osterfeier abgesagt wird und alle Veranstaltungen, Ostern wird nicht abgesagt! Im Gegenteil!

 

Das, was wir an Ostern feiern – den Sieg des Lebens über den Tod – behält seine Gültigkeit auch und gerade in Zeiten wie diesen, wo wir von Krankheit und Tod umgeben sind. Das Coronavirus macht uns auf drastische Weise deutlich, wie verletzlich, wie endlich unser Leben ist. Niemand hat es letztlich in der Hand und kann sich in Sicherheit wiegen. Wir klagen und bringen unsere Trauer vor Gott, dass schon so viele Menschen sterben mussten und noch sterben werden. Auch der Glaube schützt uns nicht davor, weil unser Leben endlich ist, früher oder später.

Aber der Glaube vertraut darauf, dass der Tod nicht das letzte Wort behält. Der Glaube vertraut, dass Gottes Macht nicht dort endet, wo unsere Macht endet, Leben zu erhalten und zu bewahren. Denn die Auferweckung des Gekreuzigten an Ostern ist Gottes Zeichen gegen den Tod und für das Leben!

 

Nein, Ostern wird nicht abgesagt – erst recht und gerade nicht in diesem Jahr!

Ostern findet dieses Jahr vielleicht nicht im vertrauten Familienkreis statt. Ostern findet im Krankenhaus und Pflegeheimen statt, wo Ärzte und Schwestern um das Leben ihrer Patienten ringen, wo Nachbarn Esspakete vor die Türe alter oder kranker Menschen stellen oder mit ihnen telefonieren, wo Menschen gegen die Angst gemeinsam singen, wo …

 

Ostern ist das Bekenntnis für Hoffnung und Leben – und das wird nicht abgesagt!

 

Schuldekan Martin Hinderer, Schorndorf

 

 

Sonntagsgedanken zum 22. März 2020

Gottesdienste sind abgesagt, Gemeindehäuser geschlossen, Altenheime sollen auf Besucher verzichten, direkte Kontakte sollen vermieden werden. So stellt sich die Situation heute an diesem Samstag für mich dar. Das Unvorstellbare ist Wirklichkeit geworden.

 

Ich habe immer gerne Besuche in der Gemeinde gemacht, der direkte Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Was aber jetzt? Vereinsamen die Einsamen nun noch mehr? Wird unsere Lage immer trostloser?

 

Solche Situationen wie die, in der wir gerade sind, gab es immer mal wieder in der Weltgeschichte. Und deshalb ist es gut, dass wir uns auf das besinnen, was noch möglich ist miteinander und untereinander.

 

Zum Beispiel höre ich von Vielen, dass man wieder mehr zum Telefonhörer greift und andere anruft. Auch, dass Gespräche etwas länger dauern als sonst in der Hektik des Alltags mit den vielen Terminen. Manche haben wieder ihr altes Adressbuch oder das private Telefonverzeichnis herausgeholt und sind die Namen durchgegangen, wer vielleicht gerade allein zu Hause sitzt, nicht mehr rauskommt und sich deshalb über ein Lebenszeichen freuen würde.

 

Wir Christen wissen, dass Gott gerade in den dunkelsten Stunden bei uns ist und uns nicht alleine lässt. Deshalb können wir aneinander denken und füreinander beten.

 

Vielleicht können wir alte längst vergessene Kontakte wiederbeleben in dieser Zeit, in der wir auf die Wohnung oder das Zuhause beschränkt sind in unseren Aktivitäten. Vielleicht kann man wieder einmal einen Brief schrieben.

 

Ich selbst feiere ab nächster Woche jeden zweiten Freitag um 18 Uhr einen kleinen Gottesdienst in der Pfahlbronner Friedenskirche, mein Kollege macht dasselbe in der Stephanuskirche an den anderen Freitagen. Das ist zwar ungewohnt so ganz alleine, aber ich weiß, dass viele zur gleichen Zeit auch beten und vielleicht das Kirchenlied singen, das ich dann singen werde. Und ich bete für alle, die mir ihre Anliegen zukommen lassen. Das Fürbittgebet bekommt in diesen Zeiten wieder eine ganz neue, wichtige Bedeutung.

 

Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man nicht allein ist, selbst wenn man isoliert in der Wohnung bleiben muss. Dass andere an einen denken und für einen beten, auch wenn man es nicht direkt hört.

 

Christen stehen füreinander im Gebet ein. Das war seit Beginn des Christentums so. Manchmal für den direkten Nachbarn oder die Nachbarin, für die Kinder oder die Enkel, für Freundinnen und Freunde. Oft beten und bitten Menschen auch über weite Distanzen, über Kontinente hinweg, füreinander. Dass sie behütet und bewahrt bleiben auch in schwierigen Zeiten.

 

Das wünsche ich Ihnen für dieses Wochenende, dass Sie wissen, dass Sie nicht alleine sind, sondern dass viele Menschen an Sie denken, für Sie beten, und dass unser Gott Sie ganz gewiss nicht vergessen hat.

 

Pfarrerin Barbara Rieth, Alfdorf-Pfahlbronn