Sonntagsgedanken zu Sonntag, 3. Juni 2018

Natur erleben - Gott begegnen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am kommenden Sonntag beginnt wieder  eine neue Reihe von Gottesdiensten im Grünen. Sie finden  auch in diesem Jahr zumeist wieder auf dem Grafenberg statt. Das große Thema dieser  Gottesdienste ist „Natur erleben - Gott begegnen“. In diesem Jahr sollen „Insekten in der Bibel“ der rote Faden durch die Gottesdienste sein.

Am ersten Sonntag steht „Die Biene und der Honig“ im Mittelpunkt. Das wissenschaftlich nachgewiesene, dramatische Insektensterben in Deutschland hat uns auf diese Fragestellung gebracht. Bienen und Honig haben die Phantasie der Menschen immer wieder angeregt. Es ist ihr Fleiß und die Ordnung  des Bienenstaates, die Süße und der Wohlgeschmack, aber auch der Nährwert des Honigs,  der in der Bibel häufig gewürdigt wird. Honig und Bienen werden in der Bibel an mehreren Stellen erwähnt. So wird in 2. Mose 3,8 dem Volk Israel zugesagt, dass Gott sein Volk nach dem Auszug aus Ägypten in ein Land führen wird, darin Milch und Honig fließt.

Oder in Psalm 19,1 genießt der Honig höhere Achtung als Gold. „Die Rechte des Herrn  sind wahrhaftig, allesamt gerecht, sie sind köstlicher denn Gold, sie sind süßer denn Honig und Honigseim.“ Der Liederdichter Paul Gerhardt schreibt in seinem Sommerlied: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ in Strophe 6: „Die unverdrossne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise“.

So spornen uns diese wichtigen Geschöpfe der Natur immer wieder zu Fleiß und ordentlichem Umgang mit der Natur an. An den Bienen können wir Gottes Schöpfung, sein wunderbares Handeln, an jedem Tag neu erkennen und lernen.

Dazu möchte ich Sie ermutigen, wenn Sie jetzt durch Gottes Schöpfung gehen. Eben „Natur erleben - Gott begegnen“! Viel Freude an den Bienen und dem gut schmeckenden Honig.

Diakon Walter Krohmer, Stadtkirchengemeinde Schorndorf

 

 

Sonntagsgedanken zum 27. Mai 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, sagt der Fuchs im „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry. Wer nur sieht, was vor Augen ist, bleibt für das Wesentliche oft blind. Und – umgekehrt -, dass jemand kein Augenlicht hat, bedeutet mitnichten, dass er deswegen blind sein muss für die wesentlichen Dinge des Lebens.

 

Man kann öfters hören, dass jemand sagt: „Ich glaube nur, was ich sehe. Was ich nicht sehe, das existiert für mich nicht.“ Aber der so redet, den möchte man fragen: „Und wie ist das für dich mit der Liebe? Oder mit Freundschaft? Oder mit Zuneigung? All das sieht man doch auch nicht. Mit dem bloßen Auge. Gibt es das alles für dich dann auch nicht?“

Was heißt: „sehen“ oder „nicht sehen“? Man kann sich mit jemandem tief verbunden wissen, auch wenn

man ihn nicht sieht. Und wenn man sich dann sieht, ist es, als sei die Zeit dazwischen nie gewesen. Und – umgekehrt -: man kann jemandem Auge in Auge gegenüberstehen und es gibt keinerlei Brücke von Herz zu Herz. Ob man einander sieht oder nicht: entscheidend ist doch die Herzensverbindung.

 

So ist es auch mit Gott. Es kann mitunter sehr weh tun, dass wir ihn nicht sehen können. Das ist wahr. Und der Glaube kommt erst zum Ziel, wenn er dereinst verwandelt werden wird in ein Schauen; wenn wir Gott einst sehen werden von Angesicht zu Angesicht. Aber auch das ist wahr: Obwohl wir ihn nicht sehen, ist Gott uns nahe. Denn er hat sein Herz bei uns.

 

Gott geht mit uns eine Herzensverbindung ein. Davon handeln die Erzählungen der Bibel. Davon ist Jesu ganzes Handeln bestimmt. „Was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig“, schreibt der Apostel Paulus in einem seiner Briefe an die christliche Gemeinde seiner Zeit in Korinth. Wir können Gott nicht sehen. Aber wir haben sein Wort, das er uns gibt. Und in dem er sich mit uns verbindet. In Jesus reicht Gott uns die Hand und geht eine Verbindung mit uns ein, die Bestand hat über alle Zeit hinweg.

 

Sehen können wir Gott nicht. Wir können aber seine Kraft spüren. Die Freude des Herzens und dass ein Herz dankbar wird – das kommt von ihm. Ebenso, wo ein Mensch sich seines Lebens freut. Und wo er Trost erfährt in schweren Tagen und die Zuversicht nicht verliert in dunklen Stunden. Oder wo ein Herz das andere findet. All das sind wesentliche Dinge im Leben. Alles Dinge, die man weder sehen noch besitzen noch anhäufen kann. Unsichtbare Dinge. Und ewig sind sie, sagt der Glaube, weil sie von Gott kommen. Und weil Gott durch sie zu uns kommt.

 

Ihr Pfarrer Hans-Peter Moser, Ev. Kirchengemeinde Hebsack-Rohrbronn

 

 

Sonntagsgedanken zum Pfingstfest

Pfingsten - Ganz begeistert!

Wild und laut geht es zu, wenn die Bibel vom Gottesgeist erzählt: Als stürmisch wehender Wind, als loderndes Feuer, fließendes Wasser erscheint er in der Bibel. Bewegung. Energie. Schöpfungskraft. Das genaue Gegenbild zu Trägheit und Tod. Gottes Geist setzt Menschen in Bewegung, er inspiriert und treibt an, er bringt sie in Beziehung zu Gott und zueinander.

Gottes Geist ist eine Gabe, die verwirrt, verändert, Leben und Hoffnung weckt. Bei der Schöpfung schwebt er über den Wassern. Der Prophet Ezechiel erzählt von einem Feld voller Totengebeine. Aber kaum fährt Gottes Geist in die morschen Knochen, werden sie lebendig, stellen sich voller Tatendrang auf die Füße. Jesus wird im Synagogengottesdienst in seiner Heimatstadt Nazareth bekennen: „Der Geist des Herrn ruht auf mir“ – und auf viel Skepsis stoßen.

Der Heilige Geist transportiert etwas von Gott zum Menschen: Leidenschaft, Sehnsucht, spirituelle Energie, Glaubenskraft. Im Geist ist Gott unter den Menschen gegenwärtig.

Aber dieser Geist „weht, wo er will“, niemand kann ihn pachten, er hält sich nicht an Grenzen und heilige Hierarchien, die ihn zähmen wollen. Er taucht dort auf, wo man ihn nicht vermutet. Er sorgt für Überraschungen, bringt die gewohnten Abläufe durcheinander.

Deshalb bitten wir (EG 651): „Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe.“

Pfarrer Thomas Scheiner, Plüderhausen

 

 

Impuls zu Karfreitag 2018

 

Was wir am Kreuz sehen – oder die Frage: Was sehen wir am Kreuz?

Morgen ist Karfreitag, Erinnerung an Jesu Tod am Kreuz. Das Wort „Karfreitag“ kommt aus dem Althochdeutschen – Kara bedeutet Jammer, Klage, Trauer. Der Karfreitag ist also der Tag des Jammers und der Klage. Denn was sehen wir am Kreuz? Einen, der zur Schau gestellt, entblößt, verachtet ist, einen, der aus Sicht eines unbeteiligten Beobachters gescheitert, gebunden, angenagelt – eben gekreuzigt ist. Wir sehen ein Marterwerkzeug, selbst wenn wir uns noch so sehr daran gewöhnt haben, und es uns als Schmuckstück um den Hals hängen.

Kein Wunder, dass sich am Kreuz die Geister scheiden, die einen sich entsetzt abwenden, die anderen am liebsten hätten, es wäre nicht nötig gewesen, dass da einer für sie gestorben sein soll. – Und doch glauben wir, dass der Mann, der da am Kreuz hing, nicht nur ein Opfer ist, wie es nur zu viele gibt, und deshalb unser Mitleid verdient hat, sondern, dass er der Eine und Einzige ist, der das auf sich genommen hat, was in uns verbogen und belastet ist, und uns so Heilung schenkt.

Musste das sein – zeugt die Rede von Sünde und Schuld des Menschen nicht von einer nicht mehr zeitgemäßen Weltfremdheit? Musste das sein, dass der allmächtige Gott ein Opfer, noch dazu seines Sohnes nötig hatte, um uns mit sich zu versöhnen?

Letzteres ist m. E. vor allem ein Problem der Worte und Bilder, die wir verwenden. Wir nennen Jesus Gottes Sohn, um auszudrücken, wie nahe er Gott war und dass sich nicht trennen lässt zwischen ihm und Gott. Vielleicht wäre besser, diese Nähe noch konsequenter auszudrücken: der, der sich da am Kreuz opfert für uns, das ist Gott selbst, der Mensch wurde und unser Leben teilte. Gott braucht kein Opfer, er gibt sich selbst in diese Situation – und wir glauben, er tut es aus erbarmender Zuwendung und Liebe zu uns. Und wir tragen nichts dazu bei, können nur darüber staunen.

Und die Sünde, die da vergeben sein soll? Stellen wir uns einmal vor, es wäre nicht so. Wir hätten keine Möglichkeit loszuwerden, was uns auf der Seele liegt, wir wären ganz auf uns geworfen, gewiesen allein an unsere Leistung, wären konfrontiert mit unserem Scheitern ohne die Möglichkeit zur Veränderung. Das wäre nahezu unerträglich. Die Rede von der Sünde und ihrer Vergebung belastet unser Leben nicht, sondern befreit es – befreit dazu, in aller Zerbrechlichkeit, die dem Leben innewohnt, getrost leben zu können. Und wir tragen nichts dazu bei, können es nur in Dankbarkeit annehmen.

Was sehen wir am Kreuz? Den, der uns leben lässt.

 

Dekanin Dr. Juliane Baur, Schorndorf

 

 

Sonntagsgedanken zum 27. Februar 2018

 

Der Superbowl

 

American Football. Das war für mich immer eine Serie von Werbe-Clips, unterbrochen von unverständlichen Bildern, die wohl den Sport an sich zeigten: gepolsterte Muskelmänner versuchten einen eiförmigen Ball(?) irgendwohin zu werfen. Weil das mit dem Fangen meistens sowieso nicht klappte, durfte dann das andere Team sein Glück versuchen. Laaaaangweilig!

 

Doch letztes Jahr war ich in Amerika. Ich fand mich am Superbowl-Abend neben einem Patriots-Fan an der Bar wieder. Der erklärte mir leidenschaftlich sein Spiel und wir erlebten die größte Aufholjagd in der Geschichte dieses Finals. Mein Interesse war geweckt. Und so blieb ich dieses Jahr sogar wach bis in die Nacht, für ein weiteres historisches Finale, das alles zu bieten hatte, was diesen Sport ausmacht: Einen irren Fumble, ausgerechnet von Tom Brady, was die späte Entscheidung brachte. Zuvor ein historisches Trickspiel der Eagles: Nick Foles schaffte es als erster Spieler in einem Superbowl einen Touch-down zu werfen und zu fangen! Wahnsinn! Ich beginne diesen Sport zu lieben!

 

Seltsam, oder?

 

Ich denke, so ist es mit dem christlichen Glauben auch: oberflächlich betrachtet für manche eine wahnsinnig langweilige Veranstaltung. Aber vielleicht braucht es jemand, der einem erklärt, worum es im Kern geht. Wenn man dann spürt, was ein Leben mit Glaube, mit Hoffnung, mit Vergebung und mit unbedingter Liebe wirklich meint, dann kann es sein, dass man sich dafür interessiert und bald sogar davon begeistert ist. Also: Worauf warten?    Game on! Vielleicht am nächsten Sonntag?

 

Pfarrer Christopher Reichert, Ev. Kirchengemeinde Winterbach

 

Sonntagsgedanken zum 4. Februar 2018

 

„Klavierspielen“ können, wäre schön

 

Als ich ihn besuchte, war er jenseits der 80. Sein Sehvermögen war eingeschränkt. Aber Hören konnte er noch gut. Die Hände waren gezeichnet von schwerer Arbeit. Beim Kaffeetrinken erzählte er mir, dass er sich mit 80 Jahren ein Klavier gekauft habe. Gegen die Widerstände Anderer:  – In deinem Alter? Das lohnt nicht mehr! Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr... Alles richtig und nachvollziehbar. „Und jetzt“, erzählte er mir verschmitzt „spiele er jeden Tag, mit einem Finger, einen Choral“. Und dann spielte er mit Begeisterung und mit leuchtenden Augen, was er konnte. – Er starb mit 100 Jahren. Hat also noch 20 Jahre Klavier gespielt. Mich hat das beeindruckt. Diese Lust am Leben, diese Lust Neues im Leben zu entdecken, dieses sich nicht einschüchtern lassen von dem, was man angeblich tut oder von körperlichen Einschränkungen.

Und er fühlte sich beschenkt und gehalten von seinem Gott. Ganz selbstverständlich gehörte sein Glaube ins Leben, war Teil seines Lebens. Er konnte die Choräle, die Kirchenlieder in – und auswendig, die er spielte. „Befiehl Du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt (EG 361) oder Jesu geh voran, auf der Lebensbahn (EG 391).“ Diese Lieder, sein Glaube, sein Gottvertrauen, waren die Quellen seiner Kraft und seines Lebensmutes. Er wusste: Ich bin von Gott getragen und gehalten. Komme was mag. Das hat ihn gelassen gemacht. Man kann darüber lächeln, über diese vermeintliche „Naivität“. Ich habe darüber gestaunt. Er ist mir zum Beispiel geworden für einen Menschen, der mit Gottes Gegenwart in seinem Leben rechnet. Wenn ich heute wieder mal höre: Das wird schwierig, das geht so nicht.... sehe ich ihn „Klavierspielen“.

Pfr. Stefan Nemesch, Steinenberg