Die Kirche der brennenden Lampen

 

In Frankreich - so erzählt man sich – gibt es eine kleine Kirche, in der sich an jedem Sonntagabend die Leute aus dem Dorf zum Gottesdienst versammeln. Jeder Besucher bringt eine Öllampe mit. In der Kirche werden die Lampen angezündet und auf die breiten Banklehnen gestellt. So wird der Raum hell und der Gottesdienst gefeiert.
Jeder weiß, wenn er mit seiner Lampe fehlt, wird die Kirche ein wenig dunkler sein. Schon über viele Generationen wandern diese Lampen von Hand zu Hand. Ist ein Gemeindeglied verstorben, bekommt eine jüngere Christin, ein jüngerer Christ, die Lampe. Und dieser weiß: er wird gebraucht.

Was für ein weitsichtiges und schönes Miteinander der Generationen! Wenn Du, wenn Sie und ich fehlen, fehlt ein Lichtschein in der Kirche. Durch unsere Anwesenheit schenkt Jesus Christus ein Licht für andere und ermutigt uns: „Lasst euer Licht leuchten!“ (Mt. 5,16). Keine Sorge! Da muss man nicht viel leisten und wissen. So wie du bist, bist du wichtig in der Gemeinde Jesu Christi! Sei einfach da. Das ist Geschenk genug für viele Menschen.

Wie hell sind unsere Gemeinden? Wem überreiche ich in meinem Leben eine Lampe des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung?

Ich möchte diese Woche einem jüngeren Menschen sagen, wie wichtig er ist – für mich persönlich und für die Christenheit. Dankbar möchte ich selbst weitergeben, was ich geschenkt bekommen habe: „Ich will deinen Namen kundmachen von Kind zu Kindeskind.“ (Ps.45,18)

Gottes Segen für die neue Woche!

 

Pfarrer Joachim Scheuber, Evangelische Kirche Winterbach

 

 

Sonntagsgedanken zum 10. September 2019

„Alles Gute!“

 

„Alles Gute!“ – So verabschiede ich mich oft von jemandem. Oder ich wünsche Kindern jetzt nach den Ferien „Alles Gute!“ fürs neue Schuljahr.

 

„Alles Gute!“ lässt offen, was genau gemeint ist. Wenn mir also jemand „Alles Gute!“ wünscht, dann kann ich diesen Wunsch mit eigenen Ideen füllen. Doch was bedeutet „Alles Gute“ für mich persönlich, für mein Leben? In den Ferien hatte ich Zeit, Gutes für mich zu tun, ich habe mich erholt oder hatte Zeit für Dinge, die sonst im Alltag nur wenig Platz haben. Gerade deshalb fällt es mir manchmal schwer, mich nach den Ferien wieder in die Arbeit zu stürzen. Dabei kann ich gerade in meinem Alltag viel Gutes entdecken. Ich sehe wieder die vertrauten Gesichter, ich kann etwas leisten für meine Familie und für mich, zu einem guten Betriebsklima kann ich meinen Beitrag leisten oder mit zufriedenen Kunden lachen. Das tut gut.

 

Aber im Leben läuft nicht immer alles glatt. Doch auch schlechte Erfahrungen können für etwas gut sein. Aus manchem Misserfolg habe ich viel gelernt. Auch wenn es erst hart ist, kann ich letztlich doch daran wachsen. Oder eine Krankheit lehrt mich, was wirklich wichtig ist im Leben. Um gut durch solche schwierigen Zeiten zu kommen, hilft mir mein Glaube an Gott. Suche ich seine Nähe, dann komme ich zur Ruhe und kann neue Kraft schöpfen. So wächst mein Vertrauen zu Gott: Alles wird gut.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen für heute und immer von Herzen „Alles Gute!“

 

Susanne Dworschak, Pfarrerin in Oberberken und Schlichten

Sonntagsgedanken zum 18. August 2019

Von einem Bruchpiloten

 

Seine Zitate zieren Grußkarten und Kalenderblätter: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ ist nur eins davon. Seine Lebensgeschichte dagegen ist weitgehend unbekannt. Die Rede ist vom französischen Piloten Antoine de Saint-Exupéry.

 

Am 31. Juli 1944, vor 75 Jahren, stürzt er mit seinem Flugzeug nördlich von Korsika ab. Der 44jährige verunglückt tödlich. Das Fliegen hat ihn sein ganzes Leben begeistert. Behütet in einem Schloss in Südfrankreich aufgewachsen, fliegt er mit 12 Jahren zum ersten Mal in einem hölzernen Doppeldecker. Nach der Schule will er zum Militär, scheitert aber in der Aufnahmeprüfung. Ausgerechnet im Fach Literatur fällt er durch. Daraufhin studiert er Architektur, beendet das Studium jedoch ohne Abschluss. Er arbeitet als Buchhalter und Lastwagenverkäufer.

 

Letztlich kommt er doch wieder zu seiner Leidenschaft – dem Fliegen. Zunächst als Frachtflieger, dann als Direktor einer Fluggesellschaft, mit der er historische Nachtflug-Strecken in Südamerika einrichtet. Immer wieder stürzt „Saint-Ex“, wie er von seinen Kollegen genannt wurde, mit seinem Flugzeug ab und überlebt.

 

Ein Bruchpilot, der seine Erlebnisse literarisch verarbeitet. Sein berühmtestes Werk „Der kleine Prinz“ ist inspiriert durch einen Flugzeugabsturz in der Sahara.

 

Auch folgendes Gebet ist von ihm überliefert: „Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. (…) Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.“ Es liest sich anders, wenn man die Geschichte des Autors kennt.


Unser Lebensweg führt meist nicht einfach geradeaus, direkt auf ein Ziel zu. Umwege, Irrwege und Abstürze – all das hat das Leben im Repertoire. Dennoch glaube ich, dass es eine Route gibt, einen Weg, den Gott mit mir geht. Ich will mich von ihm leiten lassen, ihm vertrauen, auch wenn nicht alles glatt läuft. Das sind manchmal kleine, zaghafte Schritte und doch bin ich mir sicher, dass Gott etwas mit meinem Leben bewegen will. In meiner Familie, in meiner Nachbarschaft, auf der Arbeit. Gott schenkt dem Leben Sinn. So wie bei Antoine de Saint-Exupéry, der für viele Menschen zur Inspiration geworden ist.

 

Raphael Fauth. Pfarrer in Schornbach und Miedelsbach

 

 

Sonntagsgedanken zum 26. Mai und Christi Himmelfahrt am 30. Mai 2019

Weißt Du, wo der Himmel ist?

                

Zwei Grundschüler unterhalten sich darüber, wo denn der Himmel ist. Sagt der eine: „Der Himmel ist ganz weit oben.“ Darauf der andere: „Der Himmel ist doch überall, auch in Australien und hier!“ „Aber ausgemessen hat den noch keiner!“ „Kann man auch nicht, er kann ja auch in diesem Zimmer sein!“

 

Natürlich: der Himmel ist zunächst der blaue oder manchmal auch bewölkte Himmel über uns. Der Himmel steht für Weite und Licht. Er ist unermesslich groß, wir können ihn nicht fassen. Darum ist er auch ein Bild für Gott. „Vater unser im Himmel“, beten wir. Und wir sagen, dass die Verstorbenen im Himmel sind, eben bei Gott. Und Jesus ist aufgefahren in den Himmel, zu Gott, daher der Feiertag „Himmelfahrt“.

 

„Wir können ohne den Himmel nicht leben,“ sagt der Soziologe Gronemeyer, „denn der Himmel ist – trotz des Wissens um die Weite des Kosmos, um die alles verschlingenden Schwarzen Löcher auch immer ein Sehnsuchtsort. Er ist die Sehnsucht nach Sinn, nach Gerechtigkeit, nach Wahrheit, nach Erlösung, nach Trost, nach Leben, das über den Augenblick hinausreicht.“

 

Da reden zwei Schüler über das Gleiche und meinen doch etwas ganz anderes. Der eine ist beim Rechnen, der andere ahnt die symbolische Bedeutung des Himmels. Der Himmel ist das ganz andere, der Sehnsuchtsort und zugleich der ganz konkrete Ort.

 

Und wie geht das zusammen? In einem Lied heißt es: „Wo Menschen sich verbinden, den Hass überwinden und neu beginnen ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.“

 

Der Himmel kann auch uns berühren. Mitten in unserem Alltag können wir solch „himmlische Momente“ erleben, dass der Sehnsuchtsort Himmel Wirklichkeit wird. Menschen, die sich vergeben oder alte Wege verlassen, Menschen, die sich öffnen und Vorurteile überwinden, Menschen, die … Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns!

 

Schuldekan Martin Hinderer, Schorndorf

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 03. Februar 2019

 

 

Ertappt!

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, wie ich überhaupt an Gott glauben kann – wo doch weit und breit nichts von ihm zu sehen ist. Jedenfalls scheint er nicht einzugreifen, wenn auf dieser Erde Schlimmes passiert. Und ich habe selbst auch oft keine Antwort, wie er dieses oder jenes Leid zulassen kann. Vieles lässt mich ratlos zurück – und manchmal ist es einfach nur zum Verzweifeln. Das ist die eine Erfahrung.

Und dann gibt es da noch die andere Erfahrung. Wenn ich wieder einmal ins Staunen komme, weil ich so etwas wie Wunder festzustellen meine. Letzte Woche zum Beispiel, da war ich mit der Familie im verschneiten Schwarzwald unterwegs. Und es war faszinierend, mit welch einer Freude und Begeisterung unsere vierjährige Tochter den Winterwald erlebt hat. Für sie war alles neu, alles verzaubert, im wahrsten Sinne des Wortes „wundervoll“: Die zugefrorene Pfütze, die Kristalle auf den Zweigen, der Eiszapfen in ihrer Hand. Und wie ich sie so beobachtet habe, da kam mir der Ausspruch Martin Luthers in den Kopf: „Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“

Vielleicht hat Jesus gerade deshalb die Kinder so lieb – und sie als Vorbilder des Glaubens herausgestellt. Ihm zufolge gehört ihnen nämlich das Himmelreich: „Wenn ihr das Reich Gottes nicht empfangt wie ein Kind, werdet ihr nicht hineinkommen.“ Vielleicht bedarf es also des kindlichen Staunens, um von Gott und seinem Reich überhaupt etwas mitzubekommen; so etwas wie ein Urvertrauen in das Leben und in das Gute; und ein gewisses Maß an Gegenwart: Nämlich, ganz im Moment zu sein, frei von Ängsten und Sorgen, ohne jede Berechnung und Kalkulation. Einfach nur da – und offen für alles.

Vielleicht ertappen wir ihn dann ja ab und zu.

Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann, Evang. Stadtkirchengemeinde Schorndorf