Sonntagsgedanken zum 26. Mai und Christi Himmelfahrt am 30. Mai 2019

Weißt Du, wo der Himmel ist?

                

Zwei Grundschüler unterhalten sich darüber, wo denn der Himmel ist. Sagt der eine: „Der Himmel ist ganz weit oben.“ Darauf der andere: „Der Himmel ist doch überall, auch in Australien und hier!“ „Aber ausgemessen hat den noch keiner!“ „Kann man auch nicht, er kann ja auch in diesem Zimmer sein!“

 

Natürlich: der Himmel ist zunächst der blaue oder manchmal auch bewölkte Himmel über uns. Der Himmel steht für Weite und Licht. Er ist unermesslich groß, wir können ihn nicht fassen. Darum ist er auch ein Bild für Gott. „Vater unser im Himmel“, beten wir. Und wir sagen, dass die Verstorbenen im Himmel sind, eben bei Gott. Und Jesus ist aufgefahren in den Himmel, zu Gott, daher der Feiertag „Himmelfahrt“.

 

„Wir können ohne den Himmel nicht leben,“ sagt der Soziologe Gronemeyer, „denn der Himmel ist – trotz des Wissens um die Weite des Kosmos, um die alles verschlingenden Schwarzen Löcher auch immer ein Sehnsuchtsort. Er ist die Sehnsucht nach Sinn, nach Gerechtigkeit, nach Wahrheit, nach Erlösung, nach Trost, nach Leben, das über den Augenblick hinausreicht.“

 

Da reden zwei Schüler über das Gleiche und meinen doch etwas ganz anderes. Der eine ist beim Rechnen, der andere ahnt die symbolische Bedeutung des Himmels. Der Himmel ist das ganz andere, der Sehnsuchtsort und zugleich der ganz konkrete Ort.

 

Und wie geht das zusammen? In einem Lied heißt es: „Wo Menschen sich verbinden, den Hass überwinden und neu beginnen ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.“

 

Der Himmel kann auch uns berühren. Mitten in unserem Alltag können wir solch „himmlische Momente“ erleben, dass der Sehnsuchtsort Himmel Wirklichkeit wird. Menschen, die sich vergeben oder alte Wege verlassen, Menschen, die sich öffnen und Vorurteile überwinden, Menschen, die … Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns!

 

Schuldekan Martin Hinderer, Schorndorf

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 24. Februar 2019

 

 

 

Haus der Hoffnung

 

Der Millionär Joseph Richardson besaß ein sehr schmales Grundstück entlang der Lexington Avenue in New York. Dahinter lag ein Grundstück, dessen Besitzer einen Wohnblock errichten wollte. Er bat Richardson, ihm den schmalen Streifen zu verkaufen. Der Kauf kam wegen zu hoher Preisvorstellungen nicht zustande.

 

Der Wohnblock wurde dennoch gebaut. Richardson ärgerte sich über den freien Blick über sein Grundstück hinweg. So begann er mit 70 Jahren ein Haus direkt vor die Fenster des anderen zu bauen: 30 Meter lang, 1,5 Meter breit und vier Stockwerke hoch. Im Flur konnte nur eine Person laufen, der Esstisch war 30-40 cm breit. Nur wenige Jahre nach Richardsons Tod wurde das Haus abgerissen. In der Nachbarschaft wurde sein Haus als „spite house“ bezeichnet: „Haus des Neides, der Boshaftigkeit“.

 

Aber es geht auch anders.

In Stuttgarter „Rotlichtviertel“ wurde vor drei Jahren ein anderes Haus eröffnet, das „Hoffnungshaus“. Es bietet einen geschützten Raum, wo Prostituierte sich zurückziehen können, miteinander reden können, Beratung erfahren und etwas von der Liebe Gottes spüren. Ein Haus der Hoffnung.

 

Ein solches Haus der Hoffnung ist auch die nahegelegene Leonhardskirche, in der jeden Winter Menschen bei der „Vesperkirche“ Gemeinschaft erfahren und versorgt werden. Hier kommen nicht Enge und Boshaftigkeit zum Ausdruck, sondern die Weite des Herzens und die Liebe Jesu Christi.

 

Pfarrer Jochen Kettling, Evangelische Kirchengemeinde Geradstetten

 

 

Sonntagsgedanken zum 03. Februar 2019

 

 

Ertappt!

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, wie ich überhaupt an Gott glauben kann – wo doch weit und breit nichts von ihm zu sehen ist. Jedenfalls scheint er nicht einzugreifen, wenn auf dieser Erde Schlimmes passiert. Und ich habe selbst auch oft keine Antwort, wie er dieses oder jenes Leid zulassen kann. Vieles lässt mich ratlos zurück – und manchmal ist es einfach nur zum Verzweifeln. Das ist die eine Erfahrung.

Und dann gibt es da noch die andere Erfahrung. Wenn ich wieder einmal ins Staunen komme, weil ich so etwas wie Wunder festzustellen meine. Letzte Woche zum Beispiel, da war ich mit der Familie im verschneiten Schwarzwald unterwegs. Und es war faszinierend, mit welch einer Freude und Begeisterung unsere vierjährige Tochter den Winterwald erlebt hat. Für sie war alles neu, alles verzaubert, im wahrsten Sinne des Wortes „wundervoll“: Die zugefrorene Pfütze, die Kristalle auf den Zweigen, der Eiszapfen in ihrer Hand. Und wie ich sie so beobachtet habe, da kam mir der Ausspruch Martin Luthers in den Kopf: „Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“

Vielleicht hat Jesus gerade deshalb die Kinder so lieb – und sie als Vorbilder des Glaubens herausgestellt. Ihm zufolge gehört ihnen nämlich das Himmelreich: „Wenn ihr das Reich Gottes nicht empfangt wie ein Kind, werdet ihr nicht hineinkommen.“ Vielleicht bedarf es also des kindlichen Staunens, um von Gott und seinem Reich überhaupt etwas mitzubekommen; so etwas wie ein Urvertrauen in das Leben und in das Gute; und ein gewisses Maß an Gegenwart: Nämlich, ganz im Moment zu sein, frei von Ängsten und Sorgen, ohne jede Berechnung und Kalkulation. Einfach nur da – und offen für alles.

Vielleicht ertappen wir ihn dann ja ab und zu.

Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann, Evang. Stadtkirchengemeinde Schorndorf

 

 

Sonntagsgedanken zu Sonntag, 9. September 2018

 

Dankbar - entspannt

Die Ferienzeit ist zu Ende. Nach Urlaub - entspannen, Anderes erleben - heißt es wieder: den Alltag anpacken! Frisst er bald schon auf, was der Urlaub Gutes gebracht hat?

Ein hilfreiches Gegenmittel: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2 – Bibelwort für die zu Ende gehende Woche) Nicht vergessen: das Gute, Schöne, Wohltuende; es im Herzen bewahren, sich immer wieder erinnern. Es erkennen als ein Geschenk Gottes; ihm danken, ihn loben dafür. Ein weiteres Zeichen, wie er es gut mit mir meint. Nach manch Gutem schon in meinem Leben: auch seine Hilfe in Schwierigkeiten, seine Bewahrung in Gefahren, Trost in traurigen Zeiten, neue Zuversicht.

Deshalb: dankbar zurückschauen, nicht vergessen! Und: mit Vertrauen auf IHN dann vorausschauen auf das, was kommt; was auf mich zukommen wird.

Der Alltag wieder – auch mit Problemen, die ich lösen muss; mit Schwerem, das ich bewältigen oder ertragen muss; mit Sorgen, wie es denn weitergehen soll; mit Angst, ob ich das alles schaffen kann.

Mich davon nicht negativ bestimmen lassen, nicht lähmen und die Freude nehmen lassen. Denn: ER geht mit, leitet und begleitet mich. ER versorgt mich mit dem, was ich brauche – auch mit Kraft, körperlich und seelisch.

 „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1.Petrus 5,7 - Bibelwort für die kommende Woche) An IHN mich wenden; IHN um Hilfe bitten; IHM überlassen, was mir zu schwer wird; bei IHM mein Herz ausschütten. Und dabei: aufatmen, mich entspannen, SEINE Kraft in mich einströmen lassen. Und so: auch im Alltag „dankbar – entspannt“!

Hans Gerstetter, Pfarrer am Krankenhaus Schorndorf

 

 

Sonntagsgedanken zu Sonntag, 19. August 2018


Mega

 „Es war die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten." So der FIFA-Präsident Infantino. Trump puscht jedes kleine Scharmützel zu einem Megadeal hoch. Nicht nur in der Politik haben die Superlative Hochkonjunktur. Auch in der Alltagssprache.      Das Wochenende war   mega chillig. Eine anständige Leistung wird zur Topleistung auf Championsleague- Niveau.   

Warum dieser Dauerbeschuss mit Superlativen?  Geht es nicht etwas nüchterner und bescheidener?  Es gibt wohl einen gewaltigen    Drang, Perfektion und grelle Intensität in unseren Alltag zu bringen.  Und es wächst ein merkwürdiges Leiden, das durch überhöhte Erwartungen und eine irre Steigerungslogik entsteht.  Der Urlaub soll traumhaft sein. Mein Körper fit.  Ich soll   im Beruf top sein, ein perfekter Liebhaber und der tollste Vater. Solche Erwartungen führen zum Scheitern. Wer nur Superlative erträgt, gerät in Panik, wenn etwas nur halb gelingt.

Der Urlaub könnte dazu da sein, etwas Pause von den permanenten Superlativen zu machen.  Mal ein bisschen weniger, ruhiger, einfacher. - Für mich wurde das zu einem befreienden Satz (von F. Steffensky habe ich ihn gelernt):  Das meiste gelingt mir halb.   Ich bin nur ein halb guter Pfarrer, ein halb guter Ehemann, ein halb guter Vater… Und das ist doch schon viel!  Mein Leben ist endlich und begrenzt     -  Das    annehmen zu können, verstehe ich als Gnade.  Wer an Gott glaubt, braucht   nicht Gott zu sein und Gott zu spielen, muss sich nicht immer mega fühlen.   Gegen die Angst, nicht   den Superlativen zu entsprechen, hilft das Vertrauen, dass Gott das Halbe und das Zerbrochene   ansieht und sich dem   Unfertigen zuneigt und sich da selber einbringt. Paulus hat es so erfahren: Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2.Kor. 12,8). Da gedeiht das Leben, wo meine Halbheit von der Kraft des großen Gottes durchdrungen wird.  Ich bin nicht gezwungen, immer alles zu sein.   Das macht es mir möglich, schon jetzt -  z.B. auch im Urlaub -  die Güte des Lebens zu sehen und zu genießen, das Halbe, Kleine und Mittelprächtige nicht zu verachten.
 

Klaus Dieterle, Evang. Kirchengemeinde Urbach