Sonntagsgedanken zum 03.01.2021

Sonntagsgedanken 03.01.2021

 

W ü s t e n w e g e

 

Was wird das neue Jahr uns bringen? Noch nie war so viel Ungewissheit am Anfang eines Jahres. Noch nie? Die aktuelle Krise führt uns vor Augen, dass unser Leben nicht planbar oder berechenbar ist. Auch wenn wir uns das so gerne wünschen. Doch auch schon vor Corona konnte keiner sagen, was auf uns zukommt. Was das Leben uns zumutet oder schenkt.

 

Mich spricht in diesen Tagen eine Geschichte aus der Bibel an. Das Volk Israel hat die Sklaverei in Ägypten verlassen mit dem Ziel in die Freiheit zu gehen. Nun stehen sie am Rand der Wüste. Am Rand eines unsicheren, ja gefährlichen Gebietes. Was kommt auf uns zu? Wohin führt der Weg? Wie werden wir (über)leben?

 

Mit diesen Fragen im Kopf sehen sie etwas Erstaunliches: „Der Herr selbst zog vor ihnen her: am Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.“ (2. Mose 13,21) Was für ein beeindruckendes Bild! Da ist einer, der den Weg kennt und mir voran geht. Da ist ein Licht, das mir in der Dunkelheit leuchtet. Aber ich frage mich: wo ist diese Wolkensäule und diese Feuersäule heute?

 

Im Blick auf das, was vor mir liegt, taste ich mich vorsichtig voran. Ich bin unsicher, unwissend, fragend. Ich sehe Gott nicht, wie er vorangeht. Aber Gott ist anders bei mir. Er lebt in mir, heißt es in der Bibel. In meinem Herzen. Und er gibt mir gute Gedanken, er macht mir Mut, mich auf den Weg zu machen, auch wenn ich das Ziel noch nicht sehe. Er verspricht mir: „Du gehst nicht allein! Ich begleite und leite dich.“

 

Vielleicht nicht so eindeutig, wie es die Israeliten erlebt haben. Doch im Rückblick merke ich immer wieder: ja, er ist da. Auch in schweren Zeiten, auf schwierigen Durststrecken. Auch wenn ich Fragen oder Zweifel habe, kann ich mich an ihn wenden. Deshalb will ich lernen Gott im neuen Jahr zu vertrauen. Für die Israeliten war es ein weiter Weg durch die Wüste. Sie hätten den Weg gerne kürzer und einfacher gehabt. Auch wenn ich an Gott glaube, führt mich mein Leben manchmal durch die Wüste. Aber Gott ist bei mir und begleitet mich. Am Tag und in der Nacht.

 

Nein, mein Himmel ist nachts nicht hell erleuchtet. Doch Gott schenkt Licht in meine Dunkelheit. Seit Weihnachten wird es wieder heller. In mir brennt ein Licht der Hoffnung, dass Gott unsere Welt nicht egal ist. Dass er seine Menschen liebt und für sie da ist. Auch auf Wüstenwegen.

 

Pfr. Raphael Fauth

 

 


Wüstenwege

Was wird das neue Jahr uns bringen? Noch nie war so viel Ungewissheit am Anfang eines Jahres. Noch nie? Die aktuelle Krise führt uns vor Augen, dass unser Leben nicht planbar oder berechenbar ist. Auch wenn wir uns das so gerne wünschen. Doch auch schon vor Corona konnte keiner sagen, was auf uns zukommt. Was das Leben uns zumutet oder schenkt.

Mich spricht in diesen Tagen eine Geschichte aus der Bibel an. Das Volk Israel hat die Sklaverei in Ägypten verlassen mit dem Ziel in die Freiheit zu gehen. Nun stehen sie am Rand der Wüste. Am Rand eines unsicheren, ja gefährlichen Gebietes. Was kommt auf uns zu? Wohin führt der Weg? Wie werden wir (über)leben?

Mit diesen Fragen im Kopf sehen sie etwas Erstaunliches: „Der Herr selbst zog vor ihnen her: am Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.“ (2. Mose 13,21) Was für ein beeindruckendes Bild! Da ist einer, der den Weg kennt und mir voran geht. Da ist ein Licht, das mir in der Dunkelheit leuchtet. Aber ich frage mich: wo ist diese Wolkensäule und diese Feuersäule heute?

Im Blick auf das, was vor mir liegt, taste ich mich vorsichtig voran. Ich bin unsicher, unwissend, fragend. Ich sehe Gott nicht, wie er vorangeht. Aber Gott ist anders bei mir. Er lebt in mir, heißt es in der Bibel. In meinem Herzen. Und er gibt mir gute Gedanken, er macht mir Mut, mich auf den Weg zu machen, auch wenn ich das Ziel noch nicht sehe. Er verspricht mir: „Du gehst nicht allein! Ich begleite und leite dich.“

Vielleicht nicht so eindeutig, wie es die Israeliten erlebt haben. Doch im Rückblick merke ich immer wieder: ja, er ist da. Auch in schweren Zeiten, auf schwierigen Durststrecken. Auch wenn ich Fragen oder Zweifel habe, kann ich mich an ihn wenden. Deshalb will ich lernen Gott im neuen Jahr zu vertrauen. Für die Israeliten war es ein weiter Weg durch die Wüste. Sie hätten den Weg gerne kürzer und einfacher gehabt. Auch wenn ich an Gott glaube, führt mich mein Leben manchmal durch die Wüste. Aber Gott ist bei mir und begleitet mich. Am Tag und in der Nacht.

Nein, mein Himmel ist nachts nicht hell erleuchtet. Doch Gott schenkt Licht in meine Dunkelheit. Seit Weihnachten wird es wieder heller. In mir brennt ein Licht der Hoffnung, dass Gott unsere Welt nicht egal ist. Dass er seine Menschen liebt und für sie da ist. Auch auf Wüstenwegen.

Pfr. Raphael Fauth

 

 

Sonntagsgedanken zu Weihnachten


Weihnachtsimpuls

 

Kein Glühwein in der Weihnachtswelt, kein Anstoßen am Heiligen Morgen, kein Besuch von Tante Frieda, die sonst immer zu Weihnachten kommt. Vielleicht keine Saitenwürstle mit Kartoffelsalat, denn den zu machen, lohnt sich auch kaum, wenn man nur in ganz kleiner Runde beieinander ist.

 

Aber auch in diesem Jahr werden an vielen Orten in den Kirchen mit denen, die sich dafür entschieden und angemeldet haben, Weihnachtsgottesdienste gefeiert oder draußen im Freien oder mit einem digitalen Format. Und es werden die alten Worte und Geschichten weitererzählt, die über Jahrhunderte hinweg Menschen Hoffnung gegeben haben für ihr Leben.

 

Natürlich wird damit nicht in wunderbarer Weise auf einmal alles ganz anders, die Pandemiesituation, der Riss, der zunehmend durch die Gesellschaft geht, die Erschöpfung der vielen, die Tag für Tag Verantwortung tragen, die wirtschaftlichen Sorgen, die Enge in vielen Wohnungen. Aber vielleicht kann die Erinnerung an die alte und immer neue Botschaft Signal sein, sich auf den Weg zu machen. Wie die Hirten damals losgingen, um das Kind zu suchen. Was haben sie gefunden? Ein neugeborenes Kind in einer behelfsmäßigen Unterkunft. Und doch gingen sie danach getrost weiter, irgendwie verändert.

 

Pierre Stutz hat in Worte gefasst, was die Hirten empfunden haben könnten: „Seit jener Nacht sehe ich das Leben anders: geheiligt in seiner Alltäglichkeit, erhellt in seiner Fragwürdigkeit. Seit jener Geburt erfahre ich Beziehungen anders: als Fenster zu meiner Seele, als Hoffnungsfunken in verhärteten Fronten. Seit jener Nacht gestalte ich Verantwortung anders: gestärkt in meinem Selbstvertrauen, ermutigt zum kämpferischen Aufbruch. Seit jener Geburt erlebe ich Gott anders: Berührend nah-fern, bewegend klar-unsichtbar.“

 

Warum sollten wir diese Erfahrung nicht genauso machen können? Die Botschaft der Engel gilt: Fürchte dich nicht. Gott wird Mensch. Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.

 

Machen wir uns auf den Weg. Zur Krippe, zu uns selbst, zu neuer Hoffnung, die alles Vorläufige und Belastende übersteigt. Frohe Weihnachten.

 

 


Dekanin Dr. Juliane Baur, Schorndorf

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 4. Oktober

Kultur des Lebens

In der Schöpfungsgeschichte wird erzählt, wie Gott die Welt dem Chaos entreißt und ihr Kultur gibt.

Der Mensch bekommt Anteil am Kultivieren der Welt, am Gestalten und Bewahren.

 

Kultur heißt ja, dass etwas durch Menschen eine Form bekommt.

Natur wird zu einem Garten, Noten zu einer Symphonie, Farben zu einem Gemälde, ein Tisch zu einem Erntedankaltar. Etwas gewinnt Gestalt und drückt Schönheit aus. Etwas entsteht zur Anregung des Menschen, zur Freude, zur Nachdenklichkeit….  

Kultur gehört zum gottgeschenkten Menschsein, ist somit „menschheitsrelevant“ und braucht auch eine angemessene Finanzierung. Letztlich lebt ja der ganze Staat von den „Subventionen“ seiner Bürgerinnen und Bürger.

 

Auch bei Jesus sehen wir eine besondere „Kultur“, eine Kultur des Lebens. Eine Redekultur, die ermutigt, würdigt, aufbaut und herausfordert. Ein Streitkultur, die einlädt, mit zu denken, mit zu handeln und nicht billiger Polemik und Propaganda das Feld zu überlassen. Eine Kultur der Barmherzigkeit und des Versöhnens. Auch eine Kultur der Freiheit des Dienens. Menschen erleben bei Jesus einen Gott, der sie reizt zur Nachfolge und zu einer Kultur der Mitmenschlichkeit.

Und das steht und stände uns als sogenannter „Kulturnation“ gut an.

 

Pfarrer Jochen Kettling, Evangelische Kirchengemeinde Geradstetten

 

          

 

Sonntagsgedanken zum 6. September 2020

Ein Regentag mit Madita

An einem Regentag in den Sommerferien habe ich mit meiner Familie den Film „Madita“ angeschaut, nach den Erzählungen von Astrid Lindgren. Ein guter Freud hatte ihn mir gegenüber vor Kurzem als „subversiv“ beschrieben – das hatte mich neugierig gemacht. Die siebenjährige Madita stammt – anders als viele andere Hauptfiguren Lindgrens – aus einer wohlhabenden Bürgerfamilie und möchte eigentlich ein braves und artiges Mädchen sein. Das gelingt ihr aber nicht immer: Dafür gibt es viel zu viel Spannendes zu erleben – und leider auch viel zu viel Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Und weil Madita vor allem auch sehr empfindsam und mitfühlend ist, kann sie das Leid um sich herum auch nicht einfach ausblenden. Sondern sie macht genau das, worüber ihr Vater in der Zeitung immer wieder schreibt: Sie ist solidarisch mit den Armen und Schwachen, sprengt dabei bürgerliche Konventionen und ist bereit, selbst auf manches zu verzichten.

Und genau darin kann Madita uns ein Beispiel sein: Erst einmal wahrzunehmen, wieviel Gutes es in unserem Leben gibt; was wir haben und was uns geschenkt wurde. Und dann aber auch die Not unserer Mitmenschen zu sehen und für Gerechtigkeit einzutreten. Zu helfen und zu teilen – einfach, weil es das Naheliegende ist; und weil wir es können. Auch wenn es unsere Sicherheiten vielleicht in Frage stellt. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) – dazu ruft uns auch Jesus immer wieder auf. Und hat selbst immer wieder die Konventionen seiner Zeit durchbrochen, war also alles andere als brav.

»Mama, was wünschst du dir am allerallermeisten von allem?« »Zwei ganz brave und liebe Mädchen«, sagt Mama. Da werden Maditas Augen ganz blank und ihre Stimme zittert ein wenig. »Und wo sollen Lisabet und ich dann hin?«

 

Pfr. Steffen Kläger-Lißmann, Ev. Stadtkirchengemeinde Schorndorf

 

 

Trinitatis – Gott in Gemeinschaft

Menschen, die gefragt werden, wonach sie sich am meisten sehnen nach den Wochen des Corona-Lockdowns, antworten meist:  endlich wieder zusammen sein mit anderen. Ohne Zoom oder Skype, sondern ganz direkt. Endlich wieder – echte – Gemeinschaft.

 

Wenn man mit einem einzigen Wort zusammenfassen sollte, was Gottes Absicht ist, welches Ziel er verfolgte mit der Schöpfung des Universums und der Menschen, die es bevölkern, dann wäre es genau dies: ‚Gemeinschaft’. Er selbst ist nicht der einsame, unerreichbare Solist, sondern er lebt selbst in Beziehung als dreieiniger Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

Die Trinität, die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist darum keine theologische Spinnerei und Nebensächlichkeit. Sie ist elementar für das Verständnis von Gott. Denn Gottes Wesen ist Beziehung.

 

Und Gott erschuf uns Menschen nicht, weil er einsam oder gelangweilt war. Er schuf menschliche Wesen, weil er die Gemeinschaft so sehr liebte, dass er eine Welt voller Menschen wollte, mit denen er diese Gemeinschaft teilen konnte.

 

Die Erzählungen der Bibel sind Geschichten

Wir sind auf Gott hin bezogen, leben und ruhen in der Gemeinschaft mit Gott. Und wir sind als Menschen aufeinander hin geschaffen worden. Erst in der Gemeinschaft finden wir unsere wahre Bestimmung.