„Jetzt haben wir alle Mitglieder unserer Kirchengemeinde angeschrieben, ob sie Lust haben, in unserem neuen Besuchsdienst mitzuarbeiten, und doch sind beim ersten Treffen nur drei Leute gekommen.“ – Ähnlich enttäuschte Aussagen kann man immer wieder bei kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hören, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten in vielfacher Weise ehrenamtlich in ihrer Kirchengemeinde engagieren.

Doch alle Vorstellungen davon, unter welchen Bedingungen, mit welcher Motivation und welcher Perspektive  sich Menschen ehrenamtlich im kirchlichen Bereich engagieren, hängen ab von der Lebenswelt, in der Menschen verortet sind. Dass erfahrene kirchliche Mitarbeiter/-innen und Gremien  es oft nicht schaffen, neue, kirchenfernere oder jüngere Menschen dazu zu bringen, sich ihren Interessen und Begabungen gemäß in der Kirchengemeinde zu betätigen, liegt auch an der Milieubefangenheit der eigenen Wahrneh­mung.

Im Rahmen des zweiten Themenabends von „Ehrenamt fördern mit System“ im Kirchenbezirk Schorndorf stellte Heike Frauenknecht, Geschäftsführerin und Bildungsreferentin des Evang. Kreisbildungswerks Rems-Murr, exemplarisch einige der für den kirchlichen Bereich relevanten Milieus und deren jeweilige Auffassung von Ehrenamt vor.

Das auf der Sinus-Studie basierende Milieu-Modell gruppiert Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Dabei spielen grundlegende Wertorientierungen ebenso eine Rolle wie Alltagsvorlieben, z.B. in den Bereichen Gesundheit und Ernährung, Freizeit, Bildung, Mediengebrauch und Mode.

Frau Frauenknecht gab einen Einblick in die Sinus-Milieus und stellte ein "Brillensortiment"  zur Verfügung, mithilfe dessen die Teilnehmer/innen nun besser verstehen können, warum ihr Nachbar im Haus gegenüber nicht nur Kirchengemeinderat ist, sondern sich seit 30 Jahren als Grillmeister beim Gemeindefest engagiert, während das Paar in der Wohnung über ihnen seine Mitarbeit in der Gemeinde auf die jährliche Zahlung des freiwilligen Gemeindebeitrags beschränkt.