Sonntagsgedanken zum 30. Dezember 2016 - Jahreswechsel

 

Gelassen in die Zukunft

zu Silvester pflegen Menschen Rituale. Für einige gehört ein bestimmtes Essen dazu, z. B. Fondue oder Raclette. Um Mitternacht dann das Feuerwerk. Jemand hört jedes Jahr das Lied von Frank Sinatra: „I did it my way“.

Das Lied ist faszinierend und befremdlich zugleich. Faszinierend, weil hier einer mit beiden Beinen fest im Leben steht und sich so schnell von nichts erschüttern lässt. Er blickt zurück und stellt fest: Ich habe im Großen und Ganzen alles richtig gemacht. Ich habe auf meine Kraft vertraut und das nicht bereut. Ich bin, so wie ich bin, meinen Weg gegangen und habe mich nicht verbiegen lassen.

Toll, wenn jemand so selbstbewusst ist und weiß, was er kann! Allerdings stößt dieses Lied hart an die Grenzen der Selbstüberschätzung. Frank Sinatra ist sehr von sich überzeugt. Aus ihm spricht ein erfolgreicher Mann.

Bei allem Selbstvertrauen das Frank Sinatra hat, würde ich ihn gern fragen, wie er darauf kommt, dass er all das, worauf er so stolz ist, nur sich selbst zu verdanken hat.

Als Christen denken, glauben und hoffen wir anders. Wir setzen unser Vertrauen auf Gott und wissen, dass wir uns auf ihn verlassen dürfen. Denn kein Mensch lebt nur aus eigener Kraft.

In unserem Evang. Gesangbuch gibt es ein Lied (EG 624), das mir oft hilft, sicherlich auch im Neuen Jahr. Es heißt dort:

Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl, das macht die Seele still und friedevoll. Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt mein Herz, sei’s spät, sei’s früh.

Dieses Lied, mit seinen 3 Strophen, ist von einem tiefen Gottvertrauen geprägt. Wer so singen kann, hat die Erfahrung gemacht, dass sein Leben in Gottes Hand ruht. Entsprechend gelassen und zuversichtlich ist der Blick in die Zukunft.

Pfr. Arno Konrad, Evang. Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-Schlechtbach

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 06. November 2016

Hier und jetzt!

Als junger Mensch war ich überzeugt: Veränderung ist möglich! Man muss nur etwas als richtig oder falsch erkannt haben, und dann läuft die Sache auch. Wenn ich merke, dass mir etwas nicht guttut: Einfach lassen. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Lebenswandel nicht der richtige ist: Einfach ändern. Wenn ich denke, dass ich mich in einer Sache verrannt habe: Einfach neu anfangen.

Im mittleren Alter und mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung bin ich zwar immer noch davon überzeugt: Veränderung ist möglich. Aber inzwischen weiß ich auch, dass das manchmal gar nicht so einfach ist. Und es scheint mit zunehmendem Alter immer schwieriger zu werden, sich zu ändern: Viele Verhaltensweisen sind eingeschliffen, Meinungen und Ansichten haben sich verfestigt. Dazu kommen die beruflichen, gesundheitlichen und familiären Zwänge, die scheinbar auch immer mehr werden. Da bleibt einem manchmal kaum Luft zum Atmen – geschweige denn Raum für Veränderungen. Deshalb verschieben wir diese auch gerne auf später: „Wenn das erst mal vorbei ist, dann aber…“.

„Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ (2Kor 6,2) – so ruft es uns der Wochenspruch für die kommende Woche zu. Und erinnert uns daran: Unser Leben spielt sich im Hier und Jetzt ab – und sonst nirgends. Wir haben die Erfüllung unseres Lebens weder in der Vergangenheit zu suchen noch in die Zukunft zu verlegen. Vielmehr ist die Fülle des Lebens allein in der Gegenwart zu finden: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk 17,21)

Also: Veränderung ist möglich – im Hier und Jetzt! Auch wenn wir vielleicht vorerst nur den Blickwinkel verändern, aus dem wir auf unser Leben schauen. Und die Fülle erkennen, die jetzt schon in ihm liegt.

Steffen Kläger-Lißmann, Pfarrer der Evang. Stadtkirchengemeinde Schorndorf

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 30. September 2016

 

Denk mal – dank mal!

Danken ist nichts für Gedankenlose! Danken hängt mit denken zusammen. Dankbarkeit ist eine Folge des Denkens. So ist auch Psalm 9 zu verstehen: „Ich danke dem Herrn  von ganzem Herzen und erzähle alle seine Wunder“. Wer dankt, vergisst nicht. Wir besitzen nur das wirklich, wofür wir dankbar sind. Alles andere gerät in Vergessenheit. Im Hebräischen hat das Wort vergessen die Beutung von "etwas aus seinem Besitz verlieren, als hätte man es nie besessen". Mein Herz bleibt leer - obwohl ich beschenkt worden bin. Ohne Dankbarkeit wird mir alles selbstverständlich und alltäglich, ich kann nicht mehr staunen.  

Mit Dankbarkeit lebt es sich leichter. Man kann feststellen: Menschen, die dankbar sein können, fühlen sich besonders wohl. Und noch etwas: Menschen, die danken können, entwickeln die Fähigkeit, trotz schwerer Belastungen immer wieder Kräfte mobilisieren zu können, die ihnen helfen, sich nicht auf Dauer von dem Schweren dominieren zu lassen.

Danken macht das Leben beziehungsvoller. Wer fähig ist zu danken, der weiß, dass er selber nicht der Herr des Lebens ist. Ich verdanke mich. Mit echter Dankbarkeit bekomme ich eine tiefe Beziehung zu den Menschen um mich herum und auch eine Beziehung zu Gott, dem ich mich verdanke!

Dankbarkeit fällt nicht vom Himmel. Sie ist weniger ein Gefühl als vielmehr eine Haltung und sie muss eingeübt werden. Dazu gibt es eine Übung aus dem Klosterleben. Jeden Abend soll man Bilanz ziehen: welche drei Dinge waren heute besonders schön und gelungen? Wem verdanke ich diese Erfahrung? Und dann schreibt man in Gedanken einen Dankbrief.

Das anstehende Erntedankfest ist eine gute Gelegenheit, sich so im Denken und Danken einzuüben.

Klaus Dieterle, Pfarrer Evang. Kirchengemeinde Urbach-Nord