Sonntagsgedanken zum Sonntag, 6. August 2017

Sonntags-ge-danken!?

 

Sonntags danken: Dazu wäre morgen die Gelegenheit. Es bleibt noch genug Zeit, dass Sie diesen (Sonntags-) Gedanken groß werden lassen. Als Konsequenz wäre dafür dann die eine oder andere Minute zu reservieren. Ein geeigneter Ort, an dem die hilfreiche Ruhe zur inneren Einkehr herrscht, der wird sich finden lassen.

Ein zuverlässiges Angebot bieten unsere Kirchen landauf und landab. Mit großer Regelmäßigkeit werden auch morgen Gottesdienste in großer Zahl und großer Vielfalt gefeiert – trotz der Ferien. So ist es wenigstens hier auf dieser Seite unschwer nachzulesen. Dort bietet sich Gelegenheit seinem Dank Ausdruck zu verleihen: In Liedern, in Gebeten, in der Freude und Fröhlichkeit, mit der Sie unterwegs sind.

Gott sei Dank hat aber gerade hier auch all das Andere und Schwere Platz und findet Gehör bei Gott. So hat er es uns wenigstens zugesagt. Gut, was er dann daraus macht, das streitet sich hier und da mit den eigenen Vorstellungen.

Jetzt sind wir schon mitten in den Sommerferien angekommen. Viele können ausspannen und Erholung suchen. Da könnte es ja sein, dass das Danken und die Gedanken über all dem, was uns geschenkt ist, nicht nur auf wenige Minuten begrenzt sein muss. Diese Ferien- und Urlaubszeit, in der einmal alles ein klein wenig langsamer geht, bietet sich an, im großen Bogen über unser Leben nachzudenken und Gott zu danken. Ein Vorschlag – neben hoffentlich wohltuenden und stärkenden Urlaubserlebnissen und -erfahrungen.

Pfr. Uwe Schaal, Ev. Kirchengemeinde Grunbach

 

 

Sonntagsgedanken zum 23. Juli 2017

F-E-R-I-E-N

Freude. Vielleicht ist Freiheit passender? Oder doch eher Frieden? Ich wünsche Ihnen alle drei Dinge: Dass Sie die Dinge tun können in den Ferien, im Urlaub, die Ihnen wirklich Freude geben und das Gefühl von Freiheit. Und dass Sie mit niemandem im Streit sind!

Erholung! Klar. Das auch. Und wie! Egal, ob Sie sich beim Nichtstun erholen oder dabei, wenn Sie mal was anderes machen als das, was der Alltagstrott so bietet.

Regenerierung. Rekreation.  Ohne Werbung machen zu wollen, aber ich habe einen Allrad-ATV der Marke „Bombardier Recreation Products“ . Geräte zum Erholen. Packen Sie Herausforderungen an! Es wird Ihnen einiges geben!

Intelligenz und Weisheit. Bitte nutzen Sie die Ruhe, um nachzudenken, Ihre Position zu klären und sich darüber klar zu werden, wo Sie hinwollen und wozu Gott Sie gemacht hat! Sie sollen kein Fisch auf der Pferderennbahn sein – und kein Pferd, das tauchen muss.

Ehm, ja,… und noch viel mehr Erholung!

Nächte voller Romantik! Wow!  Ja, nicht nur Albträume, sondern das Schönste am Leben. Das wünsch ich Ihnen auch, und zwar von Herzen!

Gott hat Sie dazu gemacht, damit Sie Sie sind. (Sie brauchen niemand anderes sein!) Und dass Sie leben! (Sie sollen nicht nur funktionieren!) Und dass Sie sich an SEINER Gegenwart freuen! Einfach so.

In diesem Sinne: GESEGNETE FERIEN!!

Christoph Immanuel Bruckmann ist Pfarrer an der Friedenskirche in Urbach.
Er will leidenschaftlich leben – mit Gott als Vater, Freund und Coach.

 

 

Sonntagsgedanken zum 2. Juni 2017

 

Neidische Blicke

 

Als Kind dachte ich, Gott hat bei uns Menschen alles irgendwie gerecht verteilt: Einer ist fit im Sport, eine fit in Mathe. Einer ist beliebt, eine belesen. Wenn ich dann neidisch auf jemanden war, habe ich auf meine Stärken und auf die Schwächen des anderen geschaut. Dann war ich meistens wieder zufrieden. Irgendwann habe ich festgestellt, dass die Rechnung so nicht aufgeht. Halten sich Stärken und Schwächen wirklich die Waage? Wer bewertet denn, was wie viel wiegt?

Auf wen bin ich neidisch? Wenn jemand einen Gegenstand besitzt, den ich gerne hätte, kann ich das verschmerzen. Schlimmer ist für mich das Gefühl, weniger Wert als jemand anderes zu sein. Weil ich etwas nicht so gut kann. Weil ich nicht so beliebt bin. Dann fühle ich mich minderwertig. Der wunde Punkt, an dem der Neid angreift, ist sehr persönlich. Er nagt sich langsam ins Herz und frisst die Zufriedenheit auf. Schon an der Sprache wird deutlich, wie zerstörerisch Neid ist.

Wie wird mein Herz wieder zufrieden? Die Blickrichtung ist entscheidend: Ich schaue nach oben. Nicht nach links oder rechts. Ich schaue zu Gott. Er sagt zu mir: „Du bist wunderbar gemacht. So wie du bist. Für mich bist du unglaublich wertvoll.“ Kann ich das annehmen? Mein Wert wird nicht im Vergleich zu anderen bestimmt. Die Aussage Gottes gilt: Ich bin wertvoll!
Jetzt schaue ich auf mich. Was hat Gott Gutes in mein Leben gelegt? Mir fallen so viele Dinge ein. Ich beginne Gott Danke zu sagen. Es ist wie, als ob ich den Neid abgebe und Zufriedenheit bekomme. Das hilft mir gelassen auf andere zu schauen.

 

Pfarrer Raphael Fauth, Evangelische Kirchengemeinden Schornbach und Miedelsbach

 

 

 

Karfreitagsgedanken zum 14. April 2017

Karfreitagsgedanken

Mehrmals hatte Jesus seinen Tod angekündigt, erzählt, dass er leiden müsse und sterben, am dritten Tag aber auferstehen werde. Sie hatten ihn nicht verstanden, hatten noch am Tag ihres Einzugs in Jerusalem auf den baldigen Umsturz der politischen Verhältnisse gehofft. Und dann war alles aus. Einer aus ihrem Kreis hatte Jesus verraten, es wurde kurzer Prozess gemacht und schon hatten sie ihn ans Kreuz genagelt, wie einen Verbrecher.

Sie waren verlassen, verängstigt, verzweifelt.
Veränderungen machen Angst. Plötzlich eintretende umso mehr. Da schnürt die Angst einem die Kehle zu – und viele werden auch krank davon, körperlich oder seelisch. Etwa dann, wenn durch einen Unfall ein nahestehender Mensch mitten aus dem Leben gerissen wurde. Oder wenn ohne Vorwarnung die Kündigung des Arbeitgebers im Briefkasten liegt. Oder wenn eine Dauerbelastung zu viel wird. Und selbst wenn man nicht krank wird, entsteht eine tiefe Verunsicherung, egal ob es nun Veränderungen sind, die mich in meinem persönlichen Leben betreffen, oder solche, die wir auf politischer Ebene beobachten. Gibt es denn immer noch eine weitere Drehung in der Spirale von Gewalt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien? Und wie wird es weitergehen nach dem Referendum in der Türkei?

Was hilft? Es hilft, Abstand zu gewinnen vom Kreisen um sich selbst, es hilft, sich mit einfühlsamen Anderen auszutauschen, es hilft, das, was Sorgen macht, aus anderer Perspektive zu betrachten, sich entlasten zu lassen, sich versöhnen zu lassen. Es hilft die Ahnung, dass nach Karfreitag Ostern kommt.
Sie fühlten sich verlassen, verängstigt, verzweifelt – bis sie zu ahnen begannen, dass er seinen Weg bewusst und freiwillig gegangen war, mitten hinein in das Leiden und in den Tod. Mitten hinein, um den Tod dadurch zu entmachten. Vom Tod ins Leben, von der Angst zur Hoffnung, vom Verstricktsein zur Freiheit der Kinder Gottes. Für sie. Für uns.

Dekanin Dr. Juliane Baur, Schorndorf

 

 

 

Sonntagssgedanken zum 26. März 2017

Mut zum Dienen

In Briefen erzählt ein Soldat während des Ersten Weltkrieges von seinem Hauptmann. Dieser war ein mutiger Mann. Aber der Soldat schildert noch etwas Anderes: Wenn am Abend nach einem langen Marsch die Soldaten erschöpft waren, ging der Hauptmann von einem zum anderen, hockte sich nieder und besah sich die Füße. Er salbte die Füße mit einer Wundsalbe und verband sie. Das tat gut, das war „berührend“. Dieses hat die Soldaten am stärksten mit ihm verbunden.

Hier ist jemand mit seiner Autorität wirklich für die da, die ihm anvertraut sind. Das ist Dienst.

Dieses Beispiel entfaltet eine besondere Leuchtkraft, wenn wir sehen, wie manche Menschen heute mit der Macht umgehen oder sie stärken wollen. Da werden Oppositionelle verhaftet. Da ist man beleidigt, wenn jemand Kritik übt. Da werden Lügen zur angeblichen Wahrheit. Da wird jeder Anstand bei Seite gelegt. Da spielen Vernunft und Argumente keine Rolle mehr.

Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern: „Die Herrscher halten ihre Völker nieder und die Mächtigen tun ihnen Gewalt an.“ Doch dann fährt er fort: „Aber so soll es bei euch nicht sein!“ Und er gibt ihnen ein Zeichen des Dienens, indem er ihnen die Füße wäscht. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut, wie ich euch getan habe.“ (Johannes 13,15)

Diese Demut, dieser Mut zum Dienen, nimmt ihm nichts von seiner Autorität – im Gegenteil. In diesem Mut zum Dienen zeigt sich wahre Größe.


Pfarrer Jochen Kettling, Evangelische Kirchengemeinde Geradstetten

 

 

 

 

Sonntagsgedanken zum 12. Februar 2017

 

 

Die Suche nach der Wahrheit

Das Selfie eines syrischen Flüchtlings mit der Bundeskanzlerin geht derzeit um die Welt. Voller Stolz gepostet nach einem Treffen mit Merkel gerät dieser Flüchtling plötzlich in den Verdacht ein Terrorist zu sein und Merkel wird diffamiert als naive Kanzlerin.

Eine Lüge wird in die Welt gesetzt, über Facebook millionenfach verbreitet.
Bislang galt für den öffentlichen Diskurs die Annahme, dass Meinungen durch Argumente und belegte Fakten gebildet werden. Aber es ist anders, wie wir in diesen Tagen schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Wir erleben: Gefühle und Emotionen werden über Tatsachen gestellt, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Alles andere wird ausgeblendet, ignoriert oder gar geleugnet. Es geht gar nicht mehr darum Lügen aufzudecken, sondern den eigenen Ansichten möglichst schnell ein möglichst großes Echo zu verschaffen, ohne vorher die Fakten zu prüfen. Nicht umsonst heißt das Wort des Jahres „postfaktisch“.

Wieso stört es plötzlich viele Menschen nicht mehr zu lügen oder gar belogen zu werden? Oder grundsätzlicher gefragt: Wie kann es sein, dass die Wahrheit so stark im Kurs gefallen ist?

Im biblischen Urtext ist das Wort Wahrheit gleichbedeutend mit Verlässlichkeit und Treue, mit dem was tragfähig ist und uns Halt gibt. Die Wahrheitsfrage im Kleinen wie im Großen berührt immer auch die Frage nach dem, was uns Menschen verbindet und die Welt im Innersten zusammen hält. Die Lüge zerstört das Vertrauen und damit letztlich nicht nur unser privates Zusammenleben, sondern auch die Gesellschaft.
Klar, wir Menschen hätten gerne einfache Wahrheiten, vor allem solche, die uns bestätigen oder gerade nützlich erscheinen. Aber die Suche nach der Wahrheit ist unbequem, anstrengend und zur Zeit erfordert sie sogar Mut! Aber nur „die Wahrheit wird euch frei machen“, schreibt der Apostel Johannes. Frei von den Verstrickungen der Lüge und zunehmend des Hasses, der damit verbreitet wird.

Darum können und dürfen wir nicht schweigen, wenn die Wahrheit bewusst verdreht oder gar geleugnet wird!

Schuldekan Martin Hinderer, Schorndorf


Sonntagsgedanken zum 30. Dezember 2016 - Jahreswechsel

 

Gelassen in die Zukunft

zu Silvester pflegen Menschen Rituale. Für einige gehört ein bestimmtes Essen dazu, z. B. Fondue oder Raclette. Um Mitternacht dann das Feuerwerk. Jemand hört jedes Jahr das Lied von Frank Sinatra: „I did it my way“.

Das Lied ist faszinierend und befremdlich zugleich. Faszinierend, weil hier einer mit beiden Beinen fest im Leben steht und sich so schnell von nichts erschüttern lässt. Er blickt zurück und stellt fest: Ich habe im Großen und Ganzen alles richtig gemacht. Ich habe auf meine Kraft vertraut und das nicht bereut. Ich bin, so wie ich bin, meinen Weg gegangen und habe mich nicht verbiegen lassen.

Toll, wenn jemand so selbstbewusst ist und weiß, was er kann! Allerdings stößt dieses Lied hart an die Grenzen der Selbstüberschätzung. Frank Sinatra ist sehr von sich überzeugt. Aus ihm spricht ein erfolgreicher Mann.

Bei allem Selbstvertrauen das Frank Sinatra hat, würde ich ihn gern fragen, wie er darauf kommt, dass er all das, worauf er so stolz ist, nur sich selbst zu verdanken hat.

Als Christen denken, glauben und hoffen wir anders. Wir setzen unser Vertrauen auf Gott und wissen, dass wir uns auf ihn verlassen dürfen. Denn kein Mensch lebt nur aus eigener Kraft.

In unserem Evang. Gesangbuch gibt es ein Lied (EG 624), das mir oft hilft, sicherlich auch im Neuen Jahr. Es heißt dort:

Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl, das macht die Seele still und friedevoll. Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt mein Herz, sei’s spät, sei’s früh.

Dieses Lied, mit seinen 3 Strophen, ist von einem tiefen Gottvertrauen geprägt. Wer so singen kann, hat die Erfahrung gemacht, dass sein Leben in Gottes Hand ruht. Entsprechend gelassen und zuversichtlich ist der Blick in die Zukunft.

Pfr. Arno Konrad, Evang. Gesamtkirchengemeinde Rudersberg-Schlechtbach